Pfeifenmacher treffen Freunde

Rauchzeichen im Schatten des Speyerer Doms



Diese Geschichte hab ich selbst erlebt. Allerdings war ich natürlich im richtigen Leben ein braver Junge und hab meinem altem Schulfreund natürlich keinen Mist erzählt. Jeder Pfeifenraucher kann, glaube ich, nachvollziehen was ich dem fiktiven Anfänger angetan habe.



„Rauchst du Pfeife?“



„Rauchst du Pfeife?“ Als ich diese Worte vernahm, klatschte mir schon eine Hand auf meine Schulter. Ich warf meinen Blick auf die Pfeife in meinem Mund und bestätigte die Vermutung des Fragenden mit einem schlichten „Ja“.



Der Mann, der mich ansprach, war in meinem Alter. Mit Anzug und den schicken Schuhen hätte ich ihn beinahe nicht erkannt. Allerdings das Gesicht war mir vertraut.
„Hallo Uli, lange nicht mehr gesehen“. Mein Gegenüber schien überrascht, dass ich mich an seinen Namen erinnerte. „Ja, Michael, ist lange her“



 „Mindestens 20 kg her, wenn ich dich so anschaue“ erwiderte ich, in Anspielung auf den doch recht eng sitzenden Anzug. Ich konnte mich an die Schulzeit erinnern. Wir nannten Uli damals „Gräte“ oder „Sceletto“. Aber wie gesagt, das war 20 Jahre und etliche Wiener Schnitzel und Hefeweizen her. Ich hatte hingegen mein Idealgewicht von 100 kg +X seit meiner Schulzeit gehalten.



„Ich würde auch gern Pfeife rauchen“ wechselte Uli das Thema, „Hab gehört, das ist so schwer und so teuer“ „Nein Uli, schwer ist es nicht und es gibt teurere Leidenschaften“
„Ach wirklich?“ Uli schien verblüfft.
„Doch, so eine Pfeife kostet so 80-100 Euro und du brauchst mindestens 5 oder 6 Stück davon, wenn du es richtig machen willst! Da gibts teurere Hobbys z..B. Hubschrauber fliegen, Ferrari fahren oder Hochseefischen.“ Die Augen meines Gegenüber musterten mich kritisch.



“Aber für den Anfang reicht eine Pfeife und etwas Tabak, keine Angst - ist nicht so schlimm.“



Einem sichtlich erleichterten Uli erklärte ich die Vorzüge des Pfeiferauchens (Pfeife hält lang, riecht gut, man wirkt seriöser mit Pfeife, Vielfalt bei Auswahl an Tabaksorten, größerer Erfolg beim weiblichen Geschlecht). Uli schien begeistert „Das will ich auch probieren“. „Kein Problem, ich helfe dir, hast du ein Stück Papier und was zu schreiben?“ Ich diktierte meinem alten Freund Uli eine Liste der zu beschaffenden Dinge:



Eine Pfeife, möglichst stark gebogen und möglichst großes Füllvolumen. Mit Filter. Ich sagte Uli, er solle den Filter weglassen und keine kaufen (unnötig).
2 Sorten Tabak „Indigo“und „Nightcap“, einen Pfeifenstopfer, Pfeifenstreichhölzer, 1 Paket Reiniger.



Ich empfahl ihm ein Lotto Toto Tabakgeschäft in der Stadt, das mir wohl bekannt war und wo es in einer Ecke auch eine Auswahl für den Pfeifenraucher gab. Auch die Angestellten des Ladens sind mir in Erinnerung geblieben, vom Kauf in einem Fachgeschäft riet ich Uli ab (zu teuer).



Uli schrieb alles mit Eifer auf. „Und was mache ich dann?“ „Ganz einfach Pfeife mit Tabak vollstopfen, anzünden, Rauchen, fertig.“



Uli versprach im Fortgehen, sich die Sachen morgen zu besorgen und mit dem Pfeiferauchen anzufangen. Als Uli gegangen war, stellte ich mir vor was passieren würde.
Er würde in den Laden gehen und sich die Sachen besorgen. Die Angestellten würden keine Fragen stellen - und schon gar keine Beratungsversuche unternehmen. Die haben von Pfeiferauchen in etwa so viel Ahnung wie eine Kuh vom Eislaufen.



 Die klobige Fullbent würde er Zuhause mit feuchtem Indigo stopfen und versuchen sie in Gang zu setzten. Wenn er es schaffen sollte wird seine Zunge brennen und der Pfeifensaft wird schön in der Pfeife sottern. Gegen Zungenbrand empfahl ich Uli die Zähne zu putzen oder einen Doppelkorn zu trinken.. Der Schmerz war für mich beinahe spürbar!



Ich hatte Ihm geraten, wenn das mit dem Indigo nicht klappen sollte die Pfeifen in möglichst warmen Zustand zu räumen und kurz mit den Reinigern zu säubern. Dann sollte er es mit dem „Nightcap“ probieren.



Ich bestellte mir ein Weizenbier und entzündete die Svendborg mit dem Orlik Golden Sliced. Lecker!
Ich bekam ein schlechtes Gewissen!
Warum hatte ich meinem alten Freund und Schulkameraden das angetan?
Wegen der Prügel damals auf dem Schulhof?
Wegen der dauernden Fettwitze, die ich mir von der Bohnenstange Uli dauernd anhören musste?.
Wegen der Sache mit Katrin und Sandra, den zwei Freundinnen, die er mir einfach ausgespannt hat, das Arschloch?



War es Rache?



Nein, ich doch nicht! Ich bin ein erwachsener Mann, der in sich ruht und über diesen Dingen steht.



Ich bin Pfeifenraucher!



Was passiert wenn er sich informiert und merkt, dass ich ihm Mist erzählt habe übers Pfeiferauchen?
Wird er versuchen mich anzurufen und mich zur Rede zu stellen?



Wohl kaum! Schließlich wohne ich weit weg von meiner Heimatstadt, war heute nur zufällig hier.



Außerdem heiße ich nicht Michael.